Ich bin im ersten Jahr fast nur im Homeoffice gewesen und fand das super. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich von manchen Kollegen zwar wusste, welches Ticket sie gerade bearbeiten, aber nicht, wie sie eigentlich so sind.
Seitdem gehe ich freiwillig ein- bis zweimal die Woche hin.
Für mich ist der Unterschied wirklich „freiwillig“. Wenn an einem Tag niemand aus meinem Team da ist und ich trotzdem erscheinen soll, wird aus dem sozialen Vorteil ziemlich schnell ein Arbeitsweg.
Ich habe irgendwann angefangen, meine Arbeit ein bisschen nach Ort zu sortieren.
Wenn wir etwas diskutieren, gemeinsam an einem Problem sitzen oder jemand neu ist, gehe ich gern ins Büro.
Wenn ich zwei Stunden konzentriert an einer Sache arbeiten muss, bin ich zu Hause meistens schneller.
Deshalb irritieren mich feste Bürotage ein bisschen. Für mich ist das Büro eher ein Werkzeug als ein Wochenziel.
Manchmal ist es der richtige Ort. Manchmal eben nicht.
Als ich neu im Team war, war ich ehrlich gesagt froh über die Bürotage.
Im Homeoffice hätte ich für jede kleine Frage jemanden anschreiben müssen. Im Büro habe ich irgendwann einfach rübergerufen: „Weißt du zufällig, wo das liegt?“ und zwei Minuten später war das Thema erledigt.
Nach ein paar Monaten brauchte ich das viel weniger.
Vielleicht ist genau das mein Problem mit festen Regeln: Derselbe Bürotag kann für einen neuen Kollegen ziemlich hilfreich und für jemanden, der seit sechs Jahren dort arbeitet, einfach nur 70 Kilometer Autofahrt sein.
Ins Büro fahren, um dort Kopfhörer aufzusetzen, bleibt eines meiner liebsten modernen Arbeitskonzepte.
Ich gehe sogar gern ab und zu ins Büro. Manche Sachen klärt man dort tatsächlich schneller, Mittagessen mit Kollegen ist nett und nach drei Tagen allein zu Hause freue ich mich manchmal auch auf Menschen.
Was ich nicht verstehe, ist, daraus eine Pflicht zu machen.
Wenn ich morgens 45 Minuten hinfahre, im Büro acht Stunden fast nur in Teams-Calls sitze und danach 45 Minuten zurückfahre, hat niemand besser zusammengearbeitet. Ich war einfach nur woanders.
Seit wir Desksharing haben, beginnt mein Bürotag manchmal damit, erst mal meinen Arbeitsplatz wieder zusammenzubauen.
Laptop anschließen. Zweiter Bildschirm erkennt nichts. Dockingstation einmal raus und wieder rein. Stuhl von jemandem auf 1,90 eingestellt.
Nichts davon ist schlimm.
Es ist nur lustig, dass ich zu Hause technisch gesehen inzwischen den zuverlässigeren Arbeitsplatz habe.
Mein Bürotag beginnt eigentlich am Vorabend.
Früher schlafen, Tasche packen, überlegen ob Laptop-Ladekabel da ist, morgens Zug erwischen.
Homeoffice beginnt damit, dass ich den Laptop aufmache.
Natürlich kann Büro Vorteile haben. Aber wenn jemand sagt „ist doch nur ein Tag“, denke ich immer: Für den Kalender vielleicht.
Ich habe nichts gegen zwei Bürotage.
Ich habe etwas gegen Dienstag und Donnerstag, wenn Dienstag niemand aus meinem Team da ist und Donnerstag alle Räume für Calls belegt sind.
Wenn schon Anwesenheit, dann wäre ein bisschen Koordination ganz nett.
Ein zusätzlicher Bürotag besteht finanziell nicht nur aus der Fahrt. Ticket oder Sprit, vielleicht Parken, Mittagessen unterwegs und der Kaffee, der zu Hause nichts extra gekostet hätte.
Ein einzelner Tag wirkt klein. Vier oder acht davon im Monat sind irgendwann eine eigene Position im Budget.
Erst Bürofläche reduzieren.
Dann Desksharing einführen.
Dann mehr Anwesenheit verlangen.
Und plötzlich braucht man eine App, um einen Schreibtisch in dem Büro zu bekommen, in das man kommen muss.
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